Israel Shamir

Ideas that will Derail the descent to Barbarity

Das Kleeblatt und das Kreuz

I

 

Auf der mehrfarbigen Hans-Bünting-Karte von 1581 gleicht unsere Welt einer Blume; ihre drei Blütenblätter stellen die drei Kontinente Europa, Westasien und Afrika dar, vereinigt durch das Heilige Land. Die Karte erlaubt aber auch eine andere Lesart: Die Blume ist der Glaube an Christus und die Muttergottes und die drei Blätter sind der Islam, der Katholizismus und die orthodoxe christliche Kirche. Während die westliche Welt es bevorzugte, den Islam als eine Antithese zum Christentum zu betrachten, sahen Ost-Christen – vornehmlich der Heilige Johannes von Damaskus – den Islam als eine weitere christliche Kirche, auf gleicher Stufe wie die westliche katholische Kirche. Tatsächlich, der Islam, mit seiner Verehrung von Christus und der Jungfrau Maria, ist nicht weiter von der Orthodoxie entfernt als der bilderlose, priesterlose und anti-marianische Calvinist. Die Drei Kirchen bieten verschiedene Interpretationen des gleichen Konzepts an: Die Orthodoxen betonen den auferstandenen Christus, die Katholiken konzentrieren sich auf den gekreuzigten Christus und die Muslime folgen dem Heiligen Geist. Die orthodoxe Zurückweisung des Papsttums ist deren zusätzliche Verbindung mit dem Islam – theologische Nähe fusst in geografischer Nähe. 

Diese Vision des Islam als der dritten Kirche unserer Ökumene ist grundlegend für unser Verständnis des Nahostkrieges. In der Tat gibt es viele Interpretationen des Konflikts: Politische Ökonomie, Demografie, Geopolitik und Rassentheorie bieten ihre widerstreitenden Erklärungen an. Das Problem ist nur, dass keine von ihnen wirklich gut funktioniert. Ein starkes Gefühl dafür, dass das Problem nach einer theologischen Deutung ruft, fand seinen Ausdruck in Samuel Huntington‘s Doktrin des «Zusammenstosses der Zivilisationen»; die Frontstellung zwischen Islam und Christentum wird als eine Wiederholung der mittelalterlichen Kreuzzüge angesehen. Huntingtons vulgäre Billig-Anwendung trifft man in jeder westlichen Mainstream-Zeitung an, von der New York Times bis zu Berlusconis Imperium und wird auf die Spitze getrieben von Oriana Fallaci und Ann Coulter.

Aber der Konflikt zwischen den Drei Grossen Kirchen ist vorbei – in Freude und Leid – galante Ritter in roten Pelerinen über schimmernden Rüstungen werden nicht mehr in den Hügeln von Palästina und auf den Feldern von Poitou reiten und ihren Gegnern, den nicht minder noblen und entschlossenen Sarazenen mit ihren grünen Bannern, das «Lumen Coeli» entgegenrufen. Ihre Einflusssphären sind solide etabliert und kleine Grenzscharmützel und Seelenfängerei sind nur noch da, um die Tapferen wach zu halten. Es gibt keine «islamische Bedrohung des Katholizismus» oder eine «katholische Bedrohung der Orthodoxie», obwohl viele Leute das anders sehen.

Die orthodoxen Christen in Griechen- und Russland, in Palästina und Syrien teilen voll und ganz die Sicht der Muslime und stehen der amerikanischen Invasion gleich feindlich gegenüber. Die Versuche, pro-amerikanische Stimmungen in Moskau oder Athen zu erzeugen, sind beiderorts gleich erfolglos. «Ihre Ansichten (die der Orthodoxen) scheinen mehr übereinzustimmen mit der öffentlichen Meinung in Kairo und Damaskus als in Berlin und Rom» musste das Wall Street Journal zugeben. Soviel zum dummen Konzept vom Konflikt zwischen Christentum und Islam. Nach meiner Ansicht und in diesem Artikel schliesst «Christlichkeit» den Islam und die grossen apostolischen Kirchen des Ostens und Westens ein.

Huntingtons Theorie – obwohl fehlerhaft – basiert auf den tiefen Fundamenten der Theopolitik, ein Wort, das dem Microsoft Word-Wörterbuch unbekannt ist, aber eingeführt wurde von Carl Schmitt. Dieser grosse Denker ist schwierig einzuordnen, weil Nazis und Neocons, Dekonstruktionisten und Anti-Globalisten ihn für sich beanspruchen, so verschiedene Denker wie Leo Strauss und Giorgio Agamben, Huntington und Derrida. Nach Schmitts Ansicht sind die «fruchtbarsten Konzepte der modernen Lehrmeinung säkularisierte theologische Konzepte.»

Die «Liberale-Demokratie und Menschenrechts-Doktrin», exportiert von den US-Marines sogar über den Tigris und Oxus hinaus, ist eine Krypto-Religion, eine extrem häretische Form judaisierten Christentums. Alexander Panarin, ein moderner (aber verstorbener) russischer politischer Philosoph, bemerkte den anti-christlichen Charakter der amerikanischen Doktrin: «Die neue amerikanische Vision von aus dem Zusammenhang gerissenen Waren und ihren desozialisierten Verbrauchern ist ein heidnischer Mythos»; in seiner Sicht stellt diese US-Doktrin ein Absinken ins Heidentum dar.

In meiner Sicht kann diese neue Religion als Neo-Judaismus bezeichnet werden; ihre Anhänger imitieren klassische jüdische Attitüden; Juden agieren oft als Priester dieses neuen Glaubens und diese wiederum werden von ihren Anhängern als heilig betrachtet. Tatsächlich, während Kirchen in Israel ruiniert werden und Moscheen in den Niederlanden brennen, werden keine vergleichbaren Emotionen geschürt, wie wenn ein Graffiti auf eine Synagogenmauer gesprayt wird. Die USA taxieren ihre Allierten je nach ihrer Einstellung zu den Juden. Der Holocaust-Tempel («Museum») steht direkt neben dem Weissen Haus. Unterstützung für den jüdischen Staat ist eine Sine-qua-non-Bedingung für amerikanische Politiker.

Jedermann kann die Auserwähltheit des neuen Glaubens anstreben – es ist Deine Wahl; der Neueste Bund lässt beide zu, Juden und Nichtjuden. Bete Mammon an, missachte Natur, Geist, Schönheit, Liebe. Fühle, dass Du zu einer besonderen Rasse zählst, beweise es mit ein paar diesseitigen Erfolgen – und Du kannst eintreten. Auf der anderen Seite kann jeder Jude den Austritt wählen – es gibt keine biologische Schuld oder Tugend!

Doch da gibt es ein starkes Gefühl der Kontinuität zwischen dem Paläo-Judaismus und der neueren Version. Der jüdische Staat ist eine Inszenierung der paranoiden jüdischen Angst und des Ekels vor dem Fremden, während die Kabale-Politik des Pentagons eine andere Manifestation derselben Angst und desselben Ekels im globalen Massstab ist. Die Ideen des Neo-Judaismus wurden vom jüdischen Nationalist Leo Strauss geformt und werden unter die Leute gebracht von jüdischen Redaktoren von der New York Times. Es gibt ein Projekt, den Neo-Judaismus mit exoterischen Riten zu versehen, indem ein neuer Tempel Jerusalems gebaut wird auf dem Gelände der Al Aqsa Moschee.

Neo-Judaismus ist der inoffizielle Glaube des amerikanischen Imperiums und der Krieg im Mittleren Osten ist in Wirklichkeit der neojudäische Jihad. Dies wird von Millionen so intuitiv erfasst: Tom Friedman von der New York Times schrieb, dass die Irakis die amerikanischen Eindringlinge als «Juden» bezeichneten. Neo-Judaismus ist der Kult der Globalisierung, des Neoliberalismus, der Zerstörung von Familie und Natur, anti-spirituell und anti-christlich.

Dies ist auch ein anti-sozialer Kult der Kommerzialisierung, Entfremdung und Entwurzelung. Ein Kult, der kohäsive Gesellschaften, Solidarität und Tradition bekämpft, kurz, jene Werte, welche die Drei Grossen Kirchen hochhalten. Weil die Kirche im Westen ihre Position verloren hat, betrachten die Anhänger des Neo-Judaismus das westliche Christentum beinahe als tot und bekämpfen es mit unblutigen Mitteln durch ihre ADL (Anti-Defamation-League), ACLU (American Civil Liberties Union) und andere anti-christliche Körperschaften. Der «Village Voice» benennt Bush «den Christen», die New York Times schreibt über priesterlichen Kindsmissbrauch und Schwarzenegger zerstört eine Kirche in seinem «The Last Days» – dies ist die Westfront des neo-jüdischen Jihad.

Doch der Islam ist das letzte grosse Reservoir von Geist, Tradition und Solidarität und die Neo-Juden bekämpfen ihn mit all ihnen zur Verfügung stehenden Feuerkraft. Wenn der neo-judäische Tempel anstelle der Al Aqsa-Moschee errichtet werden soll, muss der Islam zerschlagen werden. Denn der Islam ist der dominante Glaube von Israels Nachbarn und Feinde. Der Islam hat eine historische Rolle in der Verteidigung Palästinas, dem Verbindungsstück der dreiblättrigen Blume, dem Verwahrungsort der vereinigten Vor-Tradition, erahnt von René Guénon. Carl Schmitt hat die «grosse historische Parallelle» zwischen unseren Tagen und der Tage Christi beobachtet. Tatsächlich wird der Krieg gegen die Palästinenser häufig interpretiert als ein neuer Versuch von Neo-Juden und Mammon-Anbetern zur Kreuzigung Christi in seinem Land. Guénon dachte, dass die Moderne (stehend für das Kali Yuga oder die Endzeit) münden würde in der Erscheinung des Antichristen und des Endes der Welt. Deshalb ist der Krieg gegen den Islam ein Stadium des letzten Krieges, des Krieges gegen Christus.

Auf einer tieferen, metaphysischen Ebene gibt es einen Kampf zwischen zwei Tendenzen: eine Kraft die Himmel und Erde zusammenzieht und die Erde re-sakralisiert und eine andere Kraft, die versucht, Himmel und Erde zu trennen – um die Welt zu profanieren. Die vereinigende Kraft wird repräsentiert durch Christus in den Armen Seiner Mutter. Die trennende Kraft, der Grosse Profanierer (Verweltlicher) umfasst mehr als die Juden; aber diese unterstützen sie begeistert, weil in ihrer Sicht die Welt ausserhalb Israels (als Persona Divina, nicht als Staat), profan und gottlos sein soll. Deshalb führen die Anstrengungen der Neo-Juden schliesslich zur Profanisierung der Welt – und – auf einer anderen Ebene, zur Befreiung von Beschränkungen, die durch Gesellschaft und Gott errichtet sind, zum Sieg des Individualismus.

 

II

Jetzt, nachdem wir die Krankheit diagnostiziert haben (Neo-Judaismus als eine neue Religion und der Nahostkrieg als seinen Jihad) können wir einen Versuch zur Heilung wagen. Der zentrale Teil dieser Kriegsführung ist nicht das Schlachtfeld von Falluja, sondern der Kampf um die Köpfe, über Ideen ausgetragen: Wird Christus oder der Antichrist gewinnen? Diese Frage wird nicht mit Waffen entschieden, sondern mit unserer Fähigkeit, den Gegner im Diskurs zu bezwingen. Ihr, meine Leser und Kameraden seid die Kampfelite der spirituellen Armee: Stellt den Feind bloss und schlagt ihn!

Es ist möglich, gegen eine Religion zu kämpfen, besonders gegen den Neo-Judaismus, eine extreme Form der Häresie. Wir sollten seine religiösen Wurzeln offenlegen, sein sakrales Erbteil verweltlichen, seine Konzepte lächerlich  und seine Verbrechen sichtbar machen.  Als die Vorgänger des Neo-Judaismus ihren Kampf gegen die Kirche begannen, machten sie deren Lehren lächerlich. Von diesem Standpunkt aus hat der wilde französische Schauspieler Dieudonné mehr als jeder andere gemacht, um den Jihad zu stoppen.

Guénon sah die Reformation als den Fall, den Beginn von Kali Yuga an; Neo-Judaismus  sollte dann als ihre Erfüllung gesehen werden, als die extreme Reform, bei der der reformierte Körper zum totalen Gegenteil des Körpers vor der Reform wird. In einem gewissen Sinn besteht unsere Aufgabe in einer Gegenreformation und unser Banner ist die Muttergottes, die «majestätisch ist wie Kriegsscharen (Hohelied 6:4). Auch Carl Schmitt betrachtete Unsere Gottesmutter als das wichtigste kulturelle und religiöse Symbol, obwohl er sich ihrer Verbindung mit dem Islam nicht bewusst war.

Die judäische Tendenz, die zuerst mit der Reformation im Christentum erschien (oder, gemäss Dugin, mit der Abweichung der römischen Kirche  vom Glaubensbekenntnis von Nizäa, gedeiht nun zum Neo-Judaismus. Diese Religion ist verletzlich, weil sie kein universaler Glaube ist. Wie ihr Vorgänger, der Paläo-Judaismus, ist sie eine Religion für die Auserwählten, dieses Mal für die Auserwählten Mammons und hinter Mammon erblicken wir den Grossen Profanierer, den Anti-Christen. Auserwählt sind bloss wenige, der grosse Rest folgt der Häresie gegen seine wohlverstandenen Interessen.

Der kalifornische Professor Kevin McDonald schrieb einmal mit einem gewissen Erstaunen:«Die wohlhabenden, starken Eliten Europas sind sich ihrer eigenen ethnischen Interessen nicht bewusst oder messen ihnen keinen Wert zu. Sie haben die ethnischen Interessen ihrer Völker unterminiert … Ein Grund dafür mag sein,  dass es diesen Elite-Westlern möglich ist, in abgeschlossenen Gemeinschaften, isoliert vom Rest der Welt, zu leben und ihre ethnische Zugehörigkeit komplett zu ignorieren.» McDonald versäumte zu berücksichtigen, dass die modernen starken europäischen Eliten traditionelle jüdische Verhaltensweisen imitieren: sie leben in geschützten Gemeinschaften wie die Juden in Ghettos lebten (historisch gesehen war das jüdische Ghetto eine privilegierte «geschützte Gemeinschaft» genau wie eine europäische Siedlung im vorkommunistischen Schanghai, schrieb Vladimir Jabotinsky) und sie betrachten gewöhnliche Leute nicht als zu ihnen gehörig.Das ist der neo-jüdische Weg zum Erfolg, weil Neo-Juden weder eine ethnische Zugehörigkeit noch eine Heimat haben.

Eine Imitation ist selten so erfolgreich wie das Original. Der Sufi-Dichter Rumi erzählt eine bizarre Geschichte von einer Magd, die glücklich mit einem Esel kopulierte: sie gebrauchte eine Aubergine um seine enorme Grösse für ihre menschlichen Masse passend zu machen. Ihre Herrin beobachtete sie und beschloss, es ihr gleich zu tun, aber sie wusste nicht um den Zauber der Aubergine und wurde beim ersten Mal zu Tode gerissen. Ähnlich übersehen die Neo-Juden die familienähnliche Unterstützung, die wirkliche Juden ihresgleichen zugute kommen lassen; Neo-Juden beachten lediglich die äusseren Merkmale jüdischen Verhaltens, z.B. deren Missachtung der einheimischen Bevölkerung. Deshalb sind sie in Gefahr zu leiden wie die dumme Herrin der listigen Magd. In der Tat werden sie absinken und ihre Gesellschaft zerstören, und nichts haben, worauf sie zurückgreifen können.

Die Beobachtung von Kevin McDonald kann interpretiert werden als Erkenntnis des Betruges der Menschen durch die Eliten. Das ist korrekt: während die UdSSR als Ergebnis des Betrugs der Eliten zusammenbrach, findet nun ein ähnlicher Prozess imWesten statt. Der Krieg im Irak verläuft deshalb so schlecht für die USA und Israel, weil die lokalen einheimischen Eliten, mobilisiert durch ihre Kirche, nicht auf den vollen Betrug hereinfallen. Ein solcher Betrug ist nicht«comme il faut» im Dar al Islam.

Wir können die Auserwählten von den Irregeleiteten trennen, aber zuerst müssen wir einige Verteidigungsringe des Gegners durchbrechen. Der äussere Verteidingungswall des Neo-Judaismus ist die blanke Verneinung seines Wesens als Religion. Dieser Kunstgriff wurde vom Kommunismus angewendet und wurde schliesslich zu seinem Verhängnis. Der zweite Verteidigungswall ist seine Präsentation von Religion als eine «private Angelegenheit, die andere nichts angeht». Neo-judäischer Jihad unterscheidet sich vom noblen Jihad des Propheten Mohammed; statt dass sie ihren Glauben verkünden, versuchen Neo-Juden ihn heimlich zu errichten. Die falsche Flagge von «Bushitischem Christentum» ziert den dritten Ring.

Bis jetzt hat der Neo-Judaimus gesiegt, indem er seine Feinde einen nach dem anderen besiegt hat – nun müssen wir sie vereinigen. In kabbalistischen Worten geht es darum, die göttlichen Lichtfunken einzusammeln, die über die Erde zerstreut wurden, als die himmlischen Gefässe durch das Übermass an Göttlichem Licht zerbrochen wurden (Shevirath Keilim). In diesem Prozess sollten wir die (für Christus und die Gottesmutter) positiven Kräfte und Tendenzen unserer Ökumene erkennen und sie vereinigen und so gleichzeitig die feindlichen Pläne zu Fall bringen.

Das Links-Rechts-Schisma wurde durch den Feind errichtet – wir sollten es überwinden. Die Linke und die Rechte bezieht sich auf ein eindimensionales Universum, obwohl unsere Welt mit Sicherheit mehr als eine Dimension umfasst. Eine Analyse jüdischer politischer Praxis zeigt, dass die Juden die Links-Rechts-Unterscheidung nicht überbewerten. Der Führer der linken Meretz-Partei, Yossi Sarid pries den ermordeten Leader der extrem rechten jüdischen Nazipartei Rahavam Zeevi. Israel ist nicht eine Ausnahme von dieser Regel. Die militantesten republikanischen Juden, die Neo-Cons, drückten ihre Bereitschaft zum Seitenwechsel aus und dazu, Neo-Liberale zu werden im Falle eines Sieges von Kerry:

 

Sie gehen zurück, woher sie kamen

von Patrick J. Buchanan

http://www.antiwar.com/pat/?articleid=2371 (23.4.04)

«Falls wir gemeinsame Sache machen müssen mit den mehr falkenhaften Liberalen und die Konservativen bekämpfen, dann geht das in Ordnung für mich», sagte Wiliam Kristol zur «New York Times». Der «Weekly Standard»-Editor fügte hinzu, dass die Neokonservativen einfach die Rechte verlassen und zum Neo-Liberalismus konvertieren können. Seine politischen Präferenzen wertend, sagte Kristol: «Für mich kommt Bush vor Kerry, aber Kerry vor Buchanan… Wenn Sie die letzten paar Ausgaben des «Weekly-Standard» lesen, so werden Sie sehen, dass er viel mehr gemeinsam hat mit den liberalen Falken als mit den traditionellen Konservativen.»

Ja, das stimmt. Aber wenn John Kerry Schwangerschaftsabbruch, Quoten, steigende Steuern, Homosexuellen-Ehen, Liberale im Höchsten Gericht befürwortet und ein Wahlprogramm links von Teddy Kennedy besitzt, wie kann Kristol ihn den anderen Konservativen vorziehen? Die Antwort heisst: Krieg und Israel.

Unsere Antwort ist komplizierter. Die Linke und die Rechte sind nur Positionen auf der – sicher wichtigen – sozialen Achse. Aber es gibt zwei andere Achsen, die Achse des Geistes und die Achse der Erde oder die Achse von Christus und die Achse der Gottesmutter. Zusammen formen sie das dreidimensinale Kreuz, beschrieben von René Guénon in seinem «Symbolgehalt des Kreuzes». Unsere Feinde sind in der Lage, Bündnisse über den Links-Rechts-Bruch zu machen, weil sie in ihrer Verneinung von Christus und der Zurückweisung der Jungfrau vereinigt sind. In ähnlicher Weise sollten wir in der Lage sein, uns mit Menschen von Geist und von der Erde zusammenzutun, trotz unterschiedlicher sozialer Ansichten. 

Wenn wir uns auf die Achse des Geistes beziehen, gibt es eine Dichotomie (Aufteilung in Begriffspaare, Anm. d. Übers.) zwischen dem allumfassenden Glauben der Drei Grossen Kirchen und den Auserwähltheits-Kulten. «Religion ist nicht eine private Angelegenheit von spirituell geneigten Menschen», schrieb Alexander Panarin und weiter «die Kirche ist der Garant von Werten, eine Alternative und höhere Autorität, die über den Geldwechslern steht. Sie muss die Kraft haben, weibliche Schönheit und Liebe, Überzeugungen und Land vom Marktplatz fernzuhalten». Deshalb bekämpft unser Feind die Drei Kirchen so unbarmherzig. In der modernen Gesellschaft kann man über die Drei Kirchen sagen was man will, aber man darf nichts als ausschliesslich Gutes über den Judaismus sagen, den Prototyp des Neo-Judaismus. «Der heilige jüdische Brauch des Kindermordes» – Sie werden niemals einen solchen Titel in unserer so «vom Antisemitismus gerittenen Welt» finden trotz Hunderten von getöteten palästinenischen Kindern in den vergangenen paar Jahren. Aber Sie finden Folgendes in einem bekannten jüdischen Magazin:

 

Der heilige muslimische Brauch der Enthauptung

von Andrew G. Bostom, FrontPageMagazine.com, 13. Mai 2004.

Reaktionen auf die erneute groteske Jihad-Enthauptung  eines weiteren «ungläubigen Juden», des Herrn Berg, machen klar dass unsere Intelligenzia entweder gefährlich uninformiert oder einfach nicht willens ist, dieser hässlichen Realität ein Ende zu bereiten: Solche Morde stimmen sowohl überein mit heiligen Jihad-Bräuchen als auch mit islamischen Ansichten gegenüber allen nicht-muslimischen Ungläubigen im speziellen gegenüber Juden, was zurückgeht bis ins 7. Jahrhundert und das eigene Beispiel des Propheten Mohammed.»

Jede Attacke auf die Kirchen und ihre heiligen Symbole ist erlaubt,  sogar eine solch teuflische, wie sie vom französischen jüdischen Studentenverband (UEJF) verbreitet wurde. Sie veröffentlichten ein Poster: das Gesicht der Jungfrau, Unterschrift: «Dreckige Jüdin». In Frankreich akzeptieren Gerichte jüdische Klagen, Kirchenglocken zum Schweigen zu bringen, das muslimische Kopftuch (Hijab) ist ein anderes gut bekanntes Beispiel dafür. In Palästina stürmte letzte Woche die Polizei die anglikanische Kathedrale und schnappte den christlichen Asylsuchenden Mordechaj Vanunu. Wir sollten die Kirchen mobilisieren und ihren Geist verteidigen.

Der Kommunismus war ein Versuch, eine neue allumfassende Christlichkeit aber ohne Christus zu etablieren. Obwohl gewisse Denker der Rechten die «jüdischen Wurzeln» des Kommunismus betonen, war es eine antijudäische, universelle Ideologie. Doch ach, sie setzten das Rasiermesser viel zu heftig an und verbluteten. Wir sollten die Überlebenden des Zusammenbruchs akzeptieren und ihnen einen Stellenwert bei uns zugestehen.

Wenn wir uns auf die Achse der Erde beziehen, so gibt es einen Unterschied zwischen Autochthonen (Alteingesessenen) und Wanderern. Yuri Slezkine schlug vor, sie Apollonier und Merkurianer zu nennen. Während «apollonische Gesellschaften aus Bauern, Krieger und Priestern bestehen, sind Merkurianer Botschafter, Händler, Übersetzer, Handwerker, Führer, Heiler und andere Grenzüberschreiter». Er vergleicht diese Unterscheidung mit dem Jude-Nichtjude-Begriffspaar und bemerkt: «Juden sind Merkurianer, während Nicht-Juden Apollonier sind. In der modernen Welt wurden alle von uns mehr Merkurianer, wir wurden jüdischer, wenn Sie so wollen und traditionelle Merkurianer – Juden – sind  besser darin, Merkurianer zu sein als irgendjemand sonst.» 

Natürlich sind Professors Slezkine «Wir-alle» seine Kollegen in Berkeley und Moskau, kaum kalifornische Tagelöhner oder russische Bauern. Mit dieser Korrektur sollte seine These neu formuliert werden: Im Hinblick auf den Erfolg in der Kali Yuga-Periode, sollte man jüdische Eigenschaften annehmen und zu einem Neo-Juden werden. Diese «jüdischen Qualitäten» sind, entsprechend Slezkine: Mobilität, Wurzellosigkeit, die Fähigkeit, Fremde zu bleiben indem man für sich bleibt, nicht-kämpfen, keine Essen teilen – lediglich machen, austauschen und vielleicht stehlen, Dinge und Konzepte. «Für sich bleiben» schliesst den Mangel an Mitgefühl ein, «keine Essen teilen» impliziert, nicht den Glauben zu teilen, «nicht kämpfen» bedeutet, von den Kriegen  anderer zu profitieren und «Wurzellosigkeit» führt zur Tendenz, andere zu entwurzeln. 

In der Tat haben Neo-Juden kein Mitgefühl, sie profitieren von Kriegen, die andere für sie führen und sie sind wurzel- und skrupellos, ein Ideal, das von Jacques Attali beschrieben wurde, der sich die Welt bevölkert wünschte von modernen Nomaden, befreit von Wurzeln und dem Boden. Wir sollten den Merkurianern wieder ihren bescheidenen Platz am Rande der Gesellschaft zuweisen. 

Merkur-Qualitäten sind nicht genetisch bedingt; in der Tat sind Karl Marx, Simone Weil, Ludwig Wittgenstein und Otto Weininger gute Beispiele für unsere Waffenbrüder, die Werkzeuge für den modernen antijudäischen Diskurs bereit stellten. Sie bewiesen, dass die «judäische Tendenz» ein ideologischer und theologischer, nicht ein rassischer Trend ist. Eine immense Öffentlichkeit, fast Werbung für Hitlers Verbrechen durch die judäischen Medien ist ein Werkzeug, um diesen Unterschied zu verdunkeln: Bösartiger biologischer Antisemitismus, eine Missgeburt des alten Kampfes gegen den judäischen Geist, wird als die Regel dargestellt. 

Wenn wir den Rassismus ablehnen, so sollten wir genauso den Anti-Rassismus ablehnen, weil dies heute ein Code-Wort ist für eine extreme Haltung gegen das Einheimische. Vergeblich versuchten die Freunde Palästinas dieses Konzept in ihrem Kampf um Gleichheit in Palästina/Israel anzuwenden. Obwohl jede Idee auf mehrere als auf eine Weise angewendet werden kann, so ist doch der Anti-Rassismus abgestimmt und feingeschliffen für den neojüdischen Kampf gegen gefestigte einheimische Gesellschaften. Sie wären imstande, ihn gegen Guatemoc oder Boadicea ins Feld zu führen und sie verwenden ihn gegen Mugabe. Anti-Rassismus ist eine Verneinung des Rechts des Autochthonen über sein Schicksal zu entscheiden, ein Werkzeug, um den Menschen von seinem Boden zu trennen. Dieses Konzept delegitimiert Einwände gegen die Überflutung eines Landes mit Immigranten und gegen die Zerstörung des gesellschaftlichen Gewebes. 

Theophilus d‘Obla bemerkte, dass «zeitgenössischer Anti-Rassismus sowie auch Menschenrechts-Konzepte nicht Prinzipien des Kampfes sind gegen den Ausschluss und somit dem Schutze der menschlichen Person dienen. Ganz im Gegenteil: im Namen des Einschlusses und der Verdünnung ins formlose Ganze werden diese Konzept in der dominanten Kultur auf die Spitze getrieben»

Der (jüdische) Holocaust ist ein Shibboleth1 der Neuen Auserwählten. Es hat eine soziale Funktion, nämlich benutzt zu werden, um einen Verdacht auszusprechen über einheimischen traditionellen Mehrheiten: Bis sie nicht entwaffnet, in eine «offene Gesellschaft» transformiert, ihr Staat unterminiert und ihre Wirtschaft privatisiert und an amerikanische Konzerne verkauft worden sind, werden sie sich für den nächsten Holocaust  bereit machen.  Der sozial-gesinnte Panarin schreibt: «Wer immer den Holocaust als das wichtigste historische Ereignis akzeptiert, ist in der Lage, den Bürgerkrieg gegen die traditionalistische Mehrheit zu führen und wird für die Globalisten zu einem Mitglied der «In-Gruppe». Aber der Holocaust hat auch einen theologischen Wert, da dieses Ereignis angeboten wird, um die Kreuzigung für die Gläubigen in den Hintergrund zu drängen.  

Das «Menschenrechts-Mantra» ist ein wichtiger Teil des Neo-Judaismus. Es wird gebraucht, um die Interessen einer Gesellschaft zu unterminieren. Neo-Juden erbten von ihren mittelalterlichen ideologischen Vorfahren eine eigentümliche Vision von Gesellschaft als einer Gastgesellschaft,  der sie zwar nicht angehören aber die sie ausbeuten können. Es gibt einen tatsächlichen Unterschied zwischen einem solchen Individuum und dem Recht der Gesellschaft. Neo-Judaismus delegitimiert übereinstimmend die Rechte der (Gast)Gesellschaft. Folglich ist das Recht eines Chodorkovsky oder eines Berezovsky, seine Ölgesellschaft den westlichen Interessenten zu verkaufen, wichtiger als das Recht der Gemeinschaft, ihren Mitgliedern das Heizen im Winter zu ermöglichen. Das Recht eines Zuhälters auf den Import von Pornografie oder auf den Export von Frauen in Bordelle, ist wichtiger als das Recht der Gesellschaft auf den Schutz ihrer Frauen oder ihrer Moral. 

 

Schlussfolgerung

 

Der jüdische Staat Israel ist zum Fahnenträger des Feindes geworden und muss demontiert werden. «Jüdische» israelische Bürger sind zerrissen zwischen zwei Loyalitäten: zwischen der Loyalität zum Land und der Loyalität zum jüdischen Volk. Diese zweite Loyalität hält sie davor zurück, Palästinenser zu werden. Wir billigen die Forderung von israelischen Bürgern von ihrem höchsten Gericht, dass sie nicht mehr als Juden bezeichnet werden möchten: In einer im Grunde genommen areligiösen Gesellschaft ist dieses Wort zu einer Bezeichnung für die Loyalität mit dem Weltjudentum geworden. Ihr Los ist das der eingeborenen palästinensischen Brüder und diese werden sie annehmen. Eine kleine ultra-orthodoxe, vorzionistische jüdische Minderheit in Palästina bewies ihre Treue zur Tradition: diese sollten als Überbleibsel und Zeugen beschützt werden, ihr Schicksal sollte den spirituellen Kräften überlassen werden. 

Die Palästinenser sind der Inbegriff für ein einheimisches Volk, das durch die immigrierenden Juden entwurzelt wird. In den Worten des Heiligen Paulus in seinem Zweiten Brief an die Thessaloniker sind sie der letzte Katechon, die letzte Verteidigung unseres Heiligen Erbes, die Wächter der holistischen Tradition, bevor diese aufgeteilt wurde in die Drei Kirchen. Sie sind die paradigmatischen Opfer des Outsourcings: das arbeitende Volk, das an den Rand gedrängt und ersetzt wurde durch Lohn/Arbeitssöldner. Somit ist dieser Krieg in Palästina auch unser Krieg auf allen drei Achsen: Dies ist ein Krieg des Einheimischen gegen die Kraft der Entwurzelung, dies ist der Krieg der alle umarmenden Kirchen gegen die Feinde Christi, dies ist ein Krieg von Bauern und Arbeitern, Kriegern und Priestern gegen die Geldwechsler. Dies ist aber auch ein symbolischer Krieg: wird der Neo-Judaismus auf der globalen Ebene gewinnen oder wird er global verlieren? Dies ist der entscheidende Kampf des Jahrhunderts und sein Ergebnis wird die Zukunft bestimmen.

 

Übersetzung: Friederike Beck/Klaus Fischer

 

 

 

1) Ein Wort, welches jemanden als Mitglied einer „In“-Gruppe identifiziert. Der Zweck eines S. ist so ausschließend wie einschließend: Eine Person, deren Art zu sprechen gegen ein S. verstößt, ist als ein Außenseiter identifiziert und wird dadurch von der Gruppe ausgeschlossen.

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