Israel Shamir

The Fighting Optimist

Wiki, das kontrollierte Chaos

In der Kunst der Überwachung gibt es einen listige Trick, der den Lesern von Le Carre vertraut ist: Das Opfer wird von einem plumpen Schnüffler verfolgt; es bemerkt, dass es beschattet wird, schüttelt den Beschatter leicht ab, geht seiner Wege und fühlt sich nun sicher und unbeobachtet. Ohne dass es das Opfer merkt, gibt es aber weitere Detektive, die sich wie Klebstoff an seine Fersen heften, um es ins Verderben zu führen. Dies wird in der Branche „double tail“ oder Doppelbeschattung genannt.

Offensichtlich wurden einige von uns durch eine solche List während der merkwürdigen Affaire eines zionistischen Komplotts, Wikipedia zu infiltrieren, hinters Licht geführt. Diese mächtige Onlineenzyclopädie ist angeblich frei und offen: Jedermann kann sich als Herausgeber betätigen und irgendeinen Eintrag hinzufügen oder herausbringen. Die Herausgeber bleiben anonym, ihre wahre Identität verbirgt sich hinter einem Spitznamen. Diese Regel hat einen ernsthaften Nachteil: Eine engagierte Gruppe kann das System getarnt infiltrieren und die Wirklichkeit verfälschen, indem sie diese Anonymität benutzt und in den Köpfen von Milliarden von Menschen ein falsches Bild der Welt erschafft. Augenscheinlich kam dieses Drehbuch kürzlich zur Aufführung.

Verschwörung? Ja. Jüdische Verschwörung? Und ob! Die belastende E-mail-Korrespondenz wurde aufgefangen und veröffentlicht und enthüllte ein radikales zionistisches Komplott, um „Wiki“ zu beugen. Die gemäßigte linke (einige würden sie zahm nennen) pro-palästinensische Website „EI“ aus den USA enthüllte, dass die radikal-zionistische Organisation CAMERA „Freiwillige“, dazu aufrief, „die als ‚Herausgeber’ arbeiten könnten um sicherzustellen“, dass Artikel mit Bezug zu Israel bei Wikipedia mit der rechten zionistischen Agenda übereinstimmen. Dieser Versuch sei vor den Medien und der Öffentlichkeit geheim zu halten. Tarnung und Falschdarstellung wurden als Schlüssel zum Erfolg hingestellt. Ein CAMERA-Vertreter wies die Freiwilligen an, sich als Herausgeber bei Wikipedia zu melden und anschließend eine Zeit lang die Herausgabe von Material, das mit Israel zu tun habe, zu vermeiden, um „zu verhindern, als auf ein Thema fixierte Herausgeber zu erscheinen“. Der orchestrierte Versuch sollte als das Werk von Personen erscheinen, die nichts miteinander zu tun haben: Aus diesem Grunde sollten die Herausgeber vermeiden, einen Benutzernamen zu wählen, der sie als pro-Israel kenntlich machen oder die Menschen auf ihren wahren Namen hinweisen würde. Die e-mails unterwiesen zionistische Lehrlinge darin, wie sie im Interesse Israels handeln dabei aber eine neutrale Sprache verwenden. Die Betonung lag auf dem Langzeitaspekt der Operation: „Das ist ein Marathon, kein Spurt“, unterwies ein zionistischer Ausbilder mit Spitznamen „Zeq“ seine Lehrlinge in seinen e-mails. Der EI-Artikel über diese Enthüllung war ziemlich kriecherisch gegenüber Wikipedia. Er stellte Wiki als eine objektive Quelle hin, die mit zionistischen Infiltratoren auf Kriegsfuß stehe und war sich nicht zu schade, zu werben: „Offenheit und guter Glaube gehören zu den wichtigsten Grundätzen von Wikipedia. Jede Person auf der Welt kann Artikel schreiben oder herausgeben, aber Wikipedia hat strenge Richtlinien und Verfahrensweisen für Verantwortlichkeit, die darauf abzielen, eine Qualitätskontrolle sicherzustellen und Vandalismus, Plagiate oder Verdrehungen zu verhindern. Aufgrund dieser Schutzmaßnahmen blieben Artikel über Schlüsselelemente des palästinensisch-israelischen Konflikts im Allgemeinen gut belegt, nützlich und objektiv.“

Doch das war noch nicht genug, und am nächsten Tag, dem 22. April 2008, gab EL eine neue Version dieses Artikels mit einer triumphalen und beruhigenden Feststellung heraus: „Ein Plan der pro-israelischen Pressuregroup CAMERA, Wikipedia in eine pro-israelische Richtung abzudrängen, scheint gescheitert zu sein, nachdem er durch EL ans Tageslicht gebracht wurde.“ Zeq wurde entlassen, und es waren sowieso nur weniger als ein Dutzend CAMERA-Maulwürfe zu dem Zeitpunkt aktiv gewesen, als EL den Plan enthüllte. Kurz gesagt: Alles ist in bester Ordnung, Wiki funktioniert gut, und der Zionistenschrecken ist dank der furchtlosen EL vorbei. Und überhaupt – es war nur eine kleine Operation der Feinde der Freiheit, und sie ist vorüber.

Entschuldigen Sie bitte, ist das ein Artikel oder eine bezahlte Anzeige für Wikipedia? Erhielt ELvom Eigentümer von Wiki am Abend des 21. April ein Angebot, das man nicht ablehnen konnte? Nur ein Zionist kann denken, dass Wikis „Artikel über Schlüsselelemente des palästinensisch-israelischen Konflikt im Allgemeinen gut belegt, nützlich und objektiv geblieben“ seien. Im Gegenteil: Sie sind bis aus Äußerste verzerrt; lesen Sie zum Beispiel nur einmal den ausgesprochen feindseligen Eintrag über Hamas, einschließlich der Diskussion, d.h. der Diskussion der Herausgeber, die Löschungen und Korrekturen. Er definiert die Hamas als „vor allem bekannt wegen ihrer Selbstmordbombenanschläge und andere gegen Zivilisten gerichtete Angriffe [wem bekannt? Mir ist sie vor allem als die regierende Partei Palästinas bekannt und zweitens als ein gegenseitiges Hilfswerk des Volkes – IS] … die Charta der Hamas ruft zur Zerstörung des Staates Israel auf [während alle wichtigen israelischen Parteien sich an der Zerstörung Palästinas beteiligen – IS] … die Organisation wird von vielen als antisemitisch beschrieben.“ Ist das objektiv? Weiterhin sagt der Eintrag unter anderem: „Die Hamas wird von den USA als terroristische Organisation angesehen.“ Meine Hinzufügung wurde augenblicklich von dem stets wachsamen, für den Fall verantwortlichen zionistischen Offizier entfernt. Die Hamas ist terroristisch, Punktum.

Nur ein unehrlicher Narr oder jemand, der noch nie Wikipedia benutzt hat, kann denken, dass der Plan der Lobby „Wikipedia in eine pro-israelische Richtung abzudrängen, zusammengebrochen ist.“ Der plumpe Verfolger wurde abgeschüttelt, denn CAMERA ist nichts anderes als eine Truppe von Amateuren, extreme jüdische Nationalisten, die etwas als Störfaktor dienen. Sie repräsentieren nicht den jüdischen Mainstream; aber sie spielen eine nützliche Rolle: Sie lassen den Mainstream als gemäßigt erscheinen. Von CAMERA schikaniert zu werden ist wie vom Ku-Klux-Klan schikaniert zu werden – es beweist gar nichts. Sie schikanieren jeden, sogar gemäßigte Zionisten und andere Philosemitenkollegen, die CAMERA-Fanatiker als nicht eifrig genug ansehen, wie etwa Johann Hari, einen englischen professionellen Pilosemiten, der sich kürzlich brüstete: „ Ich habe sowohl in der Finsbury-Park-Moschee als auch unter neonazoistischen Holocaustleugnern verdeckt gearbeitet, um den Judenhass dort zu enthüllen; ich war auf dem Islam-Channel, um den Antisemitismus von Islamisten herauszufordern, ich erhielt einen Haufen Todesdrohungen, in denen man mich ‚einen Judenliebhaber’ nannte.“ Später schweifte er etwas weiter ab und schrieb über israelische Abwässer, die über ganz Gaza ausgeschüttet würden. Anschließend beklagte er sich: „Camera hat gesagt, ich sei ein antijüdischer Bigotter vom Schlage von Joseph Goebbels.“

Nun, da die Amateure sich blamiert haben, bleiben die Professionellen übrig. Wiki ist gegenüber Juden so parteiisch wie der Jewish Chronicle. Das dort gebotene Bild der Welt, wird dank einer Gruppe ständiger und eifriger Herausgeber und Schiedsrichter, in voller Übereinstimmung mit der allgemeinen jüdischen Weltsicht herausgebracht und gestaltet.

Die Freiheit, etwas hinzuzufügen und herauszugeben, ist nur ein Köder, der Millionen unbezahlter Mitarbeiter anzieht. Wenn Wiki wirklich frei wäre, vorausgesetzt, „normale Menschen“ wären dort in der großen Mehrheit, könnten wir erwarten, eine demokratische Weltsicht vorzufinden, nicht eine, die durch eine befangene Minderheit pervertiert ist, aber die wirkliche Wikipedia funktioniert so nicht. Das scheinbare Chaos von Wiki wird streng durch eine Hierarchie von Agenten Smith kontrolliert, die die Wikipedia-Matrix sicherstellen. Sie löschen Bezugnahmen auf jüdische Missetaten, aber unterstreichen jede gute Tat eines Juden. Israel/Palästina ist einfach nur ein Teil dessen, was in Wirklichkeit eine universale Agenda ist. Zum Beispiel blockieren und löschen sie Versuche, die jüdische Herkunft der Gründers der Satanistenbewegung, eines gewissen La Vey (eigentlich Levy) zu erwähnen, obwohl dies seinen Hass gegen das Christentum erklärt. Sie bestehen auf der Unterlegenheit Poincarés gegenüber Einstein, von Jung gegenüber Freud oder Proudhon gegenüber Marx. Jede judenfeindliche Handlung wird aufgezeichnet; jede Aktion von Juden gegen Gojim wird aus diesem organisierten Gedächtnis unserer Generation gelöscht. Diese Herausgeber kommen ohne laienhafte Unterwanderer, Dankeschön, prima klar.

Zeq wurde wegen seiner Indiskretion verbannt, aber der Mann, über den er so bewundernd schrieb, den er als das Rollenmodell für die Lehrlinge beschrieb („arbeite mit ihm und lernt von ihm“), ein idealer, effizienter zionistischer Wikipedia-Herausgeber namens Jayig, ist noch immer dort. Jayig ist nicht einfach nur irgendein Herausgeber; er ist ein Schiedsrichter, was bei Wikipedia wie ein Richter ist. Der Seitenbesitzer selbst bestimmte ihn für diese Position. Er ist ein Agent Smith der Wiki-Matrix. Man kann seine Arbeit bei vielen, vielen Einträgen sehen: Schlau und skrupellos, ist er ein Meister der List und der Täuschung.

Ein weiterer hoher Agent Smith ist Cberlet oder John Foster (Chip) Berlet, die Geißel des Netzes. Er agiert unter vielen Namen. Er ist Mitarbeiter bei der ADL (Anti Defamation League), der jüdischen Gedankenpolizei. Obwohl er vorher abstritt, irgendeine Verbindung mit der ADL zu haben, gab er gegenüber Israeli Foreign Affairs zu, dass er „eine ziemlich herzliche professionelle Beziehung mit der ADL hatte“ und „in Zusammenarbeit mit der ADL recherchiert hatte“. Die jüdische Zeitung Forward aus New York City berichtete, dass Berlet Informationen von antikommunistischen Informanten des FBI direkt an die ADL weitergab. Ace Hayes schrieb: „John Foster ‚Chip’ Berlet war während der letzten fünf Jahre tatsächlich bei jedem Angriff auf unabhängige Kritiker des Imperialen Staates beteiligt, den ein Leser benennen kann.“ Seine Tätigkeit wird von der Ford-Stiftung finanziert. Michael Piper Collins behauptet in seinem monumentalen Buch „Final Judgement“ über die Kennedy-Ermordung, dass Chip Berlet ein CIA-Agent sei. Natürlich wird ein Eintrag über ihn bei Wikipedia vor der Herausgabe bewahrt. Das Schiedskomitee (diejenigen, die Macht und Herrschaft über Wiki besitzen) „gibt zu, Cberlet blind zu verehren“, wie mir ein prominenter Insider berichtete.

Diese Männer sind diskret, sie plappern nicht über ihr Engagement für die jüdische Sache herum; sie verstecken es unter dem Deckmantel bürokratischer Ausdrücke und Abkürzungen. Ihre Unterstützungsmannschaft umfasst einige jüdische „Antizionisten“ wie RolandR. Dies ist in Wirklichkeit der britischer Gewerkschaftsapparatschik Roland Rance, der nichts dagegen hat, mit dem überzeugten antikommunistischen CIA- und ADL-Agenten Berlet und dem eifrigen Zionisten Jayig zusammenzuarbeiten. Soweit zu seinem Antizionismus und Sozialismus! Er und tausende kleiner Möchtergern-Agenten Smith benötigten die blauäugigen Erzzionisten von CAMERA nicht, sie sind schon drin.

Die „Enthüllung“ von EL ist nichts anderes als eine List, eine Doppelbeschattung, die ausgeführt wird, um unser Vertrauen in Wiki zu steigern. Eine ähnliche „double tail“ Operation wurde letztes Jahr durchgeführt als Wiki verkündete, sie habe von der CIA gefertigte Einträge auf einigen Seiten entdeckt. Die sorgfältige Lektüre dieser „Enthüllung“ war sogar noch enttäuschender als die vonEI. Der schlimmsten aufgefundene Eintrag über Präsident Ahmadinejad war der hinzugefügte Ausruf „Wahhhhh!“, während „andere Änderungen, die durchgeführt wurden, harmloser sind und sich auf kleine Änderungen am Profil des ehemaligen CIA-Chefs Porter Goss und Berühmtheiten wie Oprah Winfrey beziehen.“ Das ist lächerlich: Der US-Geheimdienst gibt pro Jahr viele Milliarden in seinem Drang nach Beherrschung des Web aus. Ein Bericht sprach kürzlich von 30 Milliarden Dollar, die vom Pentagon für ein „elektronische Manhattan-Projekt“ zur Verfügung gestellt wurden, um das Web zu bekämpfen. Und sie wollen uns glauben machen, dass alle diese Milliarden nur den Ausruf „Wahhhhhh!“ produzierten? Leider ist das nur ein weiterer „double tail“-Stich der üblichen Verdächtigen.

2

Die Wiki-Einträge zum Thema Palästina/Israel sind weit davon entfernt „gut belegt, nützlich und objektiv“ zu sein wie die Tölpel von EI behaupten. Bei erneutem Nachdenken – sind sie Tölpel oder willige Kollaborateure? Der Top-Mann bei EI ist Electronic Ali, wie Ali Abunima mit Spitznamen heißt, der Mann, der mit der Hexenjagd gegen „Shamir, den Antisemiten“ begann. Er ist der arabische Strohmann für verschiedene ausschließlich jüdische Organisationen für Palästina, die eher die jüdische Sache fördern und den Antisemitismus bekämpfen. Solche jüdische Körperschaften mögen es, einen willfährigen Shabbesgoi (wie Rosa Luxemburg diese Jungen nannte) als Fassade zu haben, und Ali passt da genau in die Rolle. Sogar dieser Artikel bei Wiki enthielt einige Bezugnahmen auf „bösen Antisemitismus“.

In seinem Angriff auf mich agierte Electronic Ali zusammen mit dem abscheulichen Hussein Ibish, aber seitdem haben die Diebe sich verkracht.[1] Eine weitere herausragende EI-Person ist oder war Nigel Parry, ein britischer Antisemitismus-Bekämpfer, ihr Webmaster und wahrscheinlich auch ihr zuständiger Vorgesetzter. Nigel Parry ist ein Erzwinger der politischen Korrektheit, und er ist im erlaubten Diskurs über Palästina ein dessen Tore bewachender General, indem er ihn zwischen der harten Likudpartei und der weichen Peace-Now-Bewegung hält. Er erwähnt stolz viele Jahre des Engagements in Sachen Palästina. Nun, unter anderem wegen solcher Typen sieht die palästinensische Sache so aus wie sie es tut.

Wir hätten schon einen Staat haben können, einen einzigen vereinigten Staat Israel/Palästina, nur nicht nach Ansicht solcher Typen. Wenn wir zurückschauen, war das 2001 einige Zeit vor dem 11. September eine mögliche Entwicklung, als meinem Aufruf für „Einen Staat“ von vielen Israelis und Amerikanern Beachtung geschenkt und er von vielen großen amerikanischen Zeitungen unterstützt wurde. Dann begannen diese Männer ihre Verunglimpfungskampagne gegen mich und schreckten die Unterstützer ab. „Shamir ist diskreditiert und marginalisiert“, schrieben sie befriedigt. Für sie spielte es keine Rolle, dass sie zusammen mit mir auch die Idee des „Einen Staates“ diskreditierten und marginalisierten – die einzige mögliche friedliche Lösung für unseren Konflikt.

Die letzte Schlacht wurde auf der Wikipedia-Seite ausgefochten, wo die Ali-Ibish-Partei dem zionistischen Agenten Smith Jayig und dem ADL eigenen Berlet mit dem von der ADL gesponserten Block „antifaschistischer“ e-zines Munition lieferte: Diese sind die britischeSearchlight, der norwegische Monitor, die schwedische Expo, die amerikanische trotzkistischeSocialist Viewpoint und andere. Gegen diese formidablen Kräfte stellte sich unser wunderbarer Freund Joh Domingo, ein südafrikanischer Kämpfer gegen die Apartheid, sowie unser französischer Freund Omnivore. Sie können die Protokolle der Schlacht lesen unter:

http://en.wikipedia.org/wiki/Talk:Israel_Shamir. Sie entschieden, mich zu einem schwedischen Neonazi-Hochstapler zu machen, statt des israelischen Schriftstellers, der ich bin.

Während der ganzen Zeit dieses Kampfes lebte ich in meinem Haus in Jaffa, empfing einen endlosen Strom Besucher, gab zahlreiche Interviews, ging zur Arbeit, traf Menschen – aber ich hätte genauso gut tot sein können. Ich fühlte mich wie Doc Daneeka, eine Figur aus Joseph Hellers witzigem „Catch-22“, der für tot erklärt wurde, als das Flugzeug, in dem er hätte fliegen sollen, abgeschossen wurde. „Ich lebe“, schrie er. „Hier ist das Papier, auf dem steht, dass du tot bist“, antwortete man ihm. Seine Frau „erbte“ sein Vermögen, er wurde aus der Liste gestrichen, man gab keine Essen mehr an ihn aus, und sogar seine Freunde und Kameraden schauten ihn entsetzt an, wenn er auftauchte. Das ist die Macht eines offiziell aussehenden Dokuments – oder einer Webseite die mit blauen Hyperlinks gespickt ist. Auf diese Art habe ich die schreckliche Macht einer Enzyklopädie zu spüren bekommen: Sie spiegelt die Welt nicht wieder, sondern erschafft die Welt vielmehr. Wiki ist mit Tausenden von Seiten verlinkt; egal, ob man bei answers.com nachschaut oder auf einer arabischen englischsprachigen Seite — man wird zu Wiki mit ihren Lügen geleitet.

Wenn eine Enzyklopädie behauptet, ich sei ein schwedischer Neonazi-Antisemit, kann nichts etwas daran ändern. Ich könnte den ganzen Tag schreien: „Schaut her, ich bin in Jaffa“, aber man würde antworten: „Wir haben hier ein offizielle Schriftstück, das besagt, dass Sie das nicht sind.“ Ich bin Joh Domingo für seine übermenschliche Anstrengung sehr dankbar, aber er konnte die Agenten Smith nicht besiegen. Genauso wenig wie ich. Wenn sie morgen entscheiden, mich zu einem kleinen grünen Marsmännchen zu machen, werden sie damit auch Erfolg haben. Und dann werden sogar deine Freunde hinter dir nach einer fliegenden Untertasse Ausschau halten.

Vor ein paar Tagen sprach ich mit einer Gruppe von indischen Intellektuellen in Delhi, und nachher erhielt ich diesen berührenden Brief von Come Carpentier, einem im Ausland lebenden französischen Schriftsteller, der in der indischen Hauptstadt lebt. Er schrieb: „ Ich möchte Ihnen für diese erleuchtenden, ausgewogenen und immer objektiven, doch leidenschaftlichen, Worte danken, die Sie an jenem Abend fanden … Wenn man Sie reden hört, wird Ihr Ruf als aufwieglerischer Diffamierer Israels, Holocaust-Leugner, Nazi-Apologet usw., usf., den Sie-wissen-schon-wer Ihnen gab, sogar noch besser konterkariert, als wenn man Sie liest … Ganz zu schweigen von den Gerüchten über Sie, dass Sie heimlich ein schwedischer Rechter seien, der sich im Rahmen der internationalen islamfaschistischen Kabale in das Heilige Land eingeschleust habe!“

3

In gewisser Weise ist eine pro-jüdische Verzerrung bei Wikipedia unvermeidbar, wenn man die jüdische Stellung im westlichen Diskurs, in den Medien und an Universitäten bedenkt. Juden – sogar Menschen, die nur jüdischer Herkunft sind – sind geneigt, einen Diskurs in für sie schmeichelhafter Weise zu berichtigen. Das machten sie vor hundert Jahren und vor fünfhundert Jahren. Vorausgesetzt, sie machen das in einer Richtung, so schaffen sie das einzige Gebilde (abgesehen von der unterminierten Kirche und ihrer Orden), das zu einem Marathon (in den Worten von Zeq) in der Lage ist – d.h. eine Langzeitoperation zu unterhalten.

Vor hundert Jahren finanzierte der New Yorker Rechtsanwalt Samuel Untermeyer die erste Scofield-Bibel mit Kettenverweissystem; seitdem wird die Scofield-Bibel immer wieder neu in noch pro-jüdischeren Ausgaben herausgegeben, und diese bringen Millionen von christlichen Zionisten.

Joachim Martillo schreibt auf seiner Judonia: „Jüdische Anstrengungen ziehen Nutzen aus dem Gedächtnis auf der Ebene von Organnisationen, das in anderen Lobby-Situationen nicht existiert. Die Langlebigkeit jüdischer Bünde und Organisationen kann den israelischen Lobbying-Bemühungen einen Generationen übergreifenden Aspekt geben, den man sonst nicht sieht. Zum Beispiel arbeiteten für Israel eintretende Organisationen fünfzig Jahre lang, um Arabisten im Außenministerium und im auswärtigen Dienst zu delegitimieren und sie durch israelfreundliches Personal zu ersetzten.“

Martillo verbindet das irrtümlich mit einigen spezifisch pro-israelischen Organisationen. Der Erfolg des Zionismus (und damit verbundene jüdische Verbrechen) ist nur das I-Tüpfelchen auf dem „I“ des jüdischen Erfolges. Die Juden engagieren sich in der Fürsprache für Juden, und folglich delegitimieren sie Arabisten oder Priester oder unabhängige Historiker, die die Idee nicht gutheißen, dass Juden in durchweg vorteilhafter Art und Weise etwas Besonderes seien. Der Zionismus ist das Ergebnis des jüdischen Zurechtstutzens der Geschichte, und diese beschnittene Geschichte ist es, die uns gelehrt wird.

Es gibt keine arabischen Scheichs oder russische Oligarchen oder amerikanische Erdölmänner, die bereit sind, irgendein Langzeitunternehmen zu finanzieren, das keine unmittelbare Bedeutung hat. Sie begreifen nicht, dass praktisch jeder Eintrag in einer Enzyklopädie, jedes Lehrbuch, zukünftige Generationen beeinflusst.

Ein korrekter Eintrag über, sagen wir, „Poincaré“ oder „Monotheismus“ oder „persische Invasion“ könnte potentielle Zionisten vor ihrem Größenwahn bewahren.

Wikipedia ist eine großartige Sache für Juden: Menschen aller Nationen aus der ganzen Welt bringen ihre Wissen ein, und dann wird diese Summe in einer Weise zurechtgestutzt, die sie für die pro-jüdischen Gärtner annehmbar macht. Trotz ihres „freien“ Images ist Wikipedia ein fester Bestandteil der immensen, judaisierten Medienholding, und so ist sie genauso unausgewogen wie jede andere Veröffentlichung der Gruppe, die von der New York Times (im Besitz von Sulzberger) und Libération (im Besitz von Rothschild) bis zu Murdochs Hunderten von Zeitungen reicht.

Zusammenfassung

Wikipedia ist wie die New York Times ein wichtiges Organ, aber beide sind in den Händen der Feinde der Freiheit. Manchmal findet man gute und nützliche Einträge in beiden, aber das sind Spuren von Goldstaub, die dort platziert sind, um die Blindgänger aufzuwerten. Auf jeden Fall möchten wir beide demokratisieren, damit beide wirklich demokratisch und zugänglich werden. Bevor das nicht geschehen ist, sollten wir erklären, dass beide Werkzeuge der Bewusstseinskontrolle sind, denen man nicht trauen oder die man nicht für bare Münze nehmen kann. Falls Wiki etwas von seiner Zuverlässigkeit bewahren möchte, muss es seine zionistischen Stützen loswerden. Nicht nur die CAMERA-Kürbisse, sondern die harten Männer in schwarzen Anzügen, die Agenten Smith.

Übersetzung: Friederike Beck

[1] In einem Artikel von Osamah Khalil aus Berkeley nahm EI Ibish verdientermaßen ins Gebet wegen seiner „Verteidigung von Abbas’ Strategie der Respekts und der Unterwürfigkeit gegenüber den USA und Israel. Laut dem von Ibish herausgegebenen Papier ist es nicht Abbas’ Problem, dass er ein korrupter, ineffizienter Führer ist, der versagt hat und den Palästinensern wie ein eifriges, amerikanisches Werkzeug vorkommt, sondern dass er „uninspirierend“ ist und ihm „das Charisma fehlt, auf das sich viele Politiker verlassen, und er ist kein mitreißender Sprecher.“ Ibishs Roman, so EI weiter, „ignoriert absichtlich ein Schlägerregime in der palästinensischen Politik, wie es etwa von Mohhamad Dahlan, Jibril Rajoub und ihresgleichen verkörpert wird.“ Seine Vorstellung eines unabhängigen säkularen palästinensischen Staates ist eine von den USA gestützte Regierung von Dieben und ihren Unterstützern. … Ibish verspottet die Versöhnung zwischen der Fatah und Hamas als „utopisch“, da es seiner Meinung nach keine Alternative zur Herrschaft von Abbas, amerikanische Hypermacht und Israels militärischer und wirtschaftlicher Vormachtstellung im Nahen Osten gebe.“

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